Philharmonischer Kinder- und Jugendchor Erfurt

Ehemalige Sängerinnen und Sänger des Philharmonischen Kinder- und Jugendchores erinnern sich an ihre Chorzeit:

1998

Als wir bei Carmina Burana im Kuppeltheater mitmachten fand unser Auftritt erst in der Schlussszene statt. Trotzdem mussten wir schon immer zu Beginn des Stücks im Theater sein. Dementsprechend viel Zeit mussten wir in den Kabinen verbringen. Für viele die richtige Zeit endlich mal Hausaufgaben zu machen. Oder ein Buch zu lesen. Oder die damals populären Sammelkartenspiele sich zeigen zu lassen und zu spiele. Oder sich selbst ein Harry-Potter-Wer-wird-Millionär auszudenken. Oder… Wir hatten zumindest einige Auftritte und viel Zeit um kreativ zu werden.

Georg B.

1999

Für mich beginnt der Chor, so wie er sich unter Cordula Fischer entwickelt hat, mit der Verlegung unseres regulären Probenraumes aus der alten Oper in das Ratsgymnasium Erfurt. Eines Tages erklärte die noch vergleichsweise neue Dirigentin uns kleinem Haufen (15-20 Kinder) am Seiteneingang der alten Oper, an welchem wir uns immer zu sammeln pflegten, das wir von diesem Tag an woanders proben würden. Daraufhin führte sie uns plappernde Kinderschar im Sonnenschein zur Kapelle des Ratsgymnasiums und begann dort unsere erste von vielen Proben im Ratsgymnasium. Auch wenn wir dann relativ schnell in eines der Klassenzimmer umgezogen sind, war die Kapelle doch der erste Probenort für uns außerhalb des Theaters und wir hatten schnell den Pausenhof des Ratsgymnasiums als Sammelplatz angenommen.

Georg B.

Gerade in der Anfangszeit unter Cordula Fischer haben wir viel in den Altersheimen Erfurts gesungen. Das gab uns als sich neu findendem Chor die Möglichkeit in kleinem Rahmen Konzerterfahrung zu sammeln und den älteren Leuten die Gelegenheit einen Kinderchor singen hören zu können, ohne den Komfort der eigenen Behausung missen zu müssen.

Georg B.

Eine der denkwürdigsten Nachtwanderungen haben wir in Bad Sulza erlebt. An die „Harry-Potter-Nachtwanderung“ haben wir zumindest in den folgenden Jahren immer wieder gerne dran zurückgedacht. Die Betreuer haben die Nachtwanderung unter das Thema „Harry Potter“ gestellt und es gekonnt geschafft auch eine entsprechende Stimmung aufkommen zu lassen. So wurden Karten im Pergamentstil an die konkurrierenden Gruppen verteilt, welche natürlich nach den entsprechenden Häusern aus Harry Potter benannt waren. Als Gryffindor und Ersatz-Harry-Potter war es toll durch die Wälder zu streifen und Aufgaben zu lösen, welche vom Thema her im Zusammenhang mit den Büchern standen. Zum Beispiel mussten in der Flugstunde die Mitspieler so platziert werden, dass möglichst viele Körper nicht den Boden berühren. Oder bei der Mutprobe mussten die Spieler einzeln vor Voldemort (aka Cordula Fischer) treten und ihren Mut beim Schreien beweisen. Selbst beim, das Probenlager abschließenden, bunten Abend wurde das Thema aufgegriffen, als einige Sänger in kurzen Sketchen noch einmal die Nachtwanderung Revue passieren ließen.

Georg B.

Wecksingen ist immer ein wichtiges Thema in unserem Chor. Früher wurde das Wecksingen auf Probelagern von den Betreuern übernommen. Das reichte uns Jugendlichen aber nicht. Wir wollten das auch mal machen. Einmal auf einem Chorlager in Bad Sulza hat sich eine Gruppe von uns zusammengefunden um wenigstens einmal die Betreuer zu wecken. Wir dichteten „Der Mond ist aufgegangen“ in eine zum Tagesanfang passende Fassung um, rechneten uns ungefähr die Zeit aus, zu welcher die Betreuer aufstehen würden und, um ganz sicher zu gehen, zogen eine der Betreuer ins Vertrauen. Am nächsten Morgen zog dann im Morgengrauen die kleine Gruppe vor die Zimmer der Betreuer und weckte sie. Dabei stellte sich heraus, dass die Betreuer anscheinend in ihren Klamotten schlafen, denn alle waren bereits fertig angezogen und bereit das richtige Wecksingen für die übrigen Zimmer zu übernehmen. Wir haben mit unserem Einsatz aber eine Tradition vorweggenommen, denn inzwischen wird das Wecksingen ja eher von den älteren Sängern des Chors übernommen.

Georg B.

Über meinen Bruder wird immer mal wieder diese Anekdote von den Proben zur ersten Carmeninszenierung zum Besten gegeben: Er war noch relativ klein, vielleicht 8 oder 9 und als die szenische Probe gegen 21 Uhr immer noch nicht zu Ende war, legte er sich auf die Probebühne, sagte dass er normalerweise jetzt schon im Bett liegen müsste und schlief ein.

Helena L.

Unvergessen bleibt auch unser Auftritt als Straßenjungen in Carmen 2000. Als Kostüme sollten wir Kinder alte, möglichst dreckige Sachen von zu Hause mitbringen. Das sah bei mir dann so aus, dass ich mit den sauberen Sachen beim Theater ankam. Die Dame, welche überprüfen sollte ob alle ein ordentliches Kostüm dabei haben, stellte dann fest, dass mein Kostüm zu sauber sei. Dann wurden alle zu sauberen Sachen der Sänger leicht dreckig gemacht und wir konnten unseren Auftritt absolvieren. Zuhause sah meine Mutter sich die Sachen an, sah dass sie dreckig waren und wenn noch Zeit für eine Wäsche vor dem nächsten Auftritt war, wurde alles wieder gewaschen.

Georg B.

2002

Bei unserer Aufführung des „Besuchs im Zoo“ zur Eröffnung des Zooparkrestaurants 2002 arbeiteten wir mit einer Gruppe aus der Musikschule zusammen, welche, unter der Leitung von Frau Hildebrand, visuell darstellte, was wir sangen. Leider hatten sie zur Generalprobe ihre Sachen nicht dabei, sodass wir erst im Konzert alles zu sehen bekommen haben. So kam es im Konzert häufiger dazu, das wir zwar auf unsere Dirigentin achteten, der Einsatz aber trotzdem etwas später, oder aus weniger Stimmen als erwartet kam, da alle Sänger zu sehen versuchten was die Gruppe als nächstes darstellen würde. Wahrscheinlich einer der Gründe dafür, dass bei späteren Aufführungen genau geklärt wurde, was auf der Bühne zu sehen sein wird.

Georg B.

Das Konzert bei dem Frau Fischer am ehesten vor dem Konzert ihre Nervosität gezeigt hat, war ihr Abschlusskonzert. Bei diesem wurde am Beispiel des PKJC gezeigt inwieweit sie in der Lage ist Chorarbeit zu leisten und einen Kinderschor zu dirigieren. Eingebrannt hat sich dabei der Satz: „Diesmal muss es wirklich gut werden.“ Wurde es auch, sie hat bestanden. Wir waren zwar alle wahnsinnig aufgeregt, wurden aber von vorne zu Bestleistung animiert und Chor und Dirigentin gaben sich gegenseitig halt. Und eine Kugel Eis für alle in der nächsten Chorprobe gab es auch noch. 

Georg B.

 2003

Der gestiefelte Kater 2003 war für uns alle eine riesige Aufgabe. Monatelang haben wir die Musik geprobt. Erst hab ich gedacht diese vielen Noten könnten wir nie auswendig singen, aber nach der langen Vorbereitungszeit hat es dann doch geklappt. Für viele von uns war es das erste richtige Theaterprojekt. Wir wussten nicht wie man sich auf der Bühne bewegt, wie man sich hinter der Bühne bewegt oder überhaupt was Theaterspielen ausmacht. Im Gegensatz zu den vorherigen Auftritten sollten wir hier ja auch über einen längeren Zeitraum am Stück beteiligt sein. Zum Glück gab es ja unser Vorbereitungstreffen in Heldrungen bei welchem die Regisseurin Annette Wolf mit viel Geduld und der tatkräftigen Unterstützung der Betreuer uns viele Kleinigkeiten der Bühne näherbrachte und mit uns Szenen einstudierte. Zum Beispiel die Szene in welcher die wilden Kinder anfangen miteinander zu raufen. Das musste natürlich alles so choreographiert werden, dass es zwar gut aussah, sich aber keiner verletzte. Hilfreich und häufig eingesetzt war dabei der „Freeze“ bei dem sich keiner mehr bewegen durfte. Dann liefen die Verantwortlichen um uns herum und korrigierten unsere Posen. Im tatsächlichen Theater war dann zwar wieder alles völlig anders (Fettanzüge gab es zum Beispiel erst im Theater) aber es war klasse um einen Grundeinblick zu bekommen.

Georg B.

2005

Bei unserem Auftritt zur Woche der Brüderlichkeit 2005 scheint es einen Kameramann gegeben zu haben, der es keinem Recht machen konnte. Da der Auftritt live übertragen wurde, haben sich viele Verwandte von uns das Konzert angeschaut. Meine Großeltern sagten mir daraufhin, dass immer nur der Sopran zu sehen gewesen sei. Immer wenn der Tenor (und damit ich) in Sichtweite gekommen sei, hätte die Kamera wieder zu den Frauenstimmen abgeschwenkt. Als ich dies einer Freundin aus dem Sopran erzählte, lachte sie nur. Ihre Großeltern hatten sich beschwert, dass immer nur der Bass zu sehen sei.

Georg B.

Unsere Adventsauftritte im TEC 2005 waren eine völlig neue Erfahrung für uns. Wir standen auf einer Bühne mitten im TEC. Das mögliche Publikum rauschte also um uns herum und nahm uns teilweise gar nicht zur Kenntnis. Das war schon eine schwierige Umstellung von dem bisher gewohnten frontal sitzendem und (hoffentlich) interessierten Publikum weg und zu dem Publikum hin, welches man erst anlocken und für sich begeistern muss. Dementsprechend war auch die Liedauswahl. Ich glaube ich habe noch nie so häufig „Rudolph, the rednosed reindeer“ gesungen wie bei diesen Konzerten.

Georg B.

2007

Unsere Sommertournee 2007 in Norddeutschland war eine große Herausforderung an alle. Keiner wusste was ihn erwartet und wie gut die Sänger durchhalten. Es gab viel Neues zu erleben, gemeinsame Ausflüge, straffe Konzertvorbereitungen, Bettkästen, Tilman wurden die Haare geschnitten, es wurden gemeinsam Krabben gepuhlt, … und wir erlebten gemeinsam die Anstrengungen die 2 Wochen sängerische Dauerleistungen so mit sich bringen. Auf dieser Tournee haben wir viel ausprobiert und Erfahrungen für die späteren Tourneen gemacht. Zum Beispiel tut Tee dem allgemeinen Wohlbefinden des Singenden gut.

Georg B.

2008

Das Konzert in Buchenwald 2008 ist für mich eines der emotionalsten welches wir je gesungen haben. Mir ging es an dem Tag nicht gut und als wir schon auf der Bühne standen wurde mir schlecht und mir musste von der Bühne geholfen werden. Im Publikum befanden sich auch ehemalige Gefangene aus Buchenwald. Von diesen kamen im Nachhinein einige bei mir vorbei und unterhielten sich mit mir. Das Menschen, die soviel Schmerz und Leid in ihrem Leben erleben mussten, das Mitgefühl haben um einfach so  vorbeizukommen und sich nach einem ihnen unbekannten Menschen zu erkundigen, von dem sie annehmen konnten, das sich um ihn gekümmert wird, hat mich tief berührt. 

Georg B.

Unser Auftritt zur Kinder-Kult 2008 ist mir als einer der unschönen im Gedächtnis geblieben. Um unsere Bühne herum gab es noch andere Bühne mit Shows welche zum Teil elektronische Musik dabei hatten. In diesem lauten Musikmischmasch mussten wir uns ohne Mikro mit verkleinerter Besetzung behaupten. Bereits in der dritten Reihe waren wir nicht mehr zu hören. Hier gab es nicht einmal die Möglichkeit das Publikum an uns zu binden, da es uns schlicht nicht hören konnte. Trotzdem haben wir, angeheizt durch die laute Musik, versucht so laut wie möglich zu singen. Aber das einzige was uns das gebracht hat, waren heißere Stimmen.

Georg B.

Beim Chorfestival in Kassel 2008 wollten einige von uns nach unserem gemeinsamen Auftritt in das Konzert des Kammerchors Michaelstein gehen. Zwar war uns zugesichert worden, dass wir als Teilnehmer des Festivals kostenlos in das Konzert könnten, vor Ort sah dies aber anders aus. Also verbrachten wir die Zeit des Wartens, bis sich alles geklärt hatte, mit verschiedenen Volkstänzen auf der Wiese vor dem Konzertort. Das war für einige Besucher des Konzerts ein überraschendes Bild mit den in Kreisen angeordneten Jugendlichen, welche vor dem Konzert herumtanzen.

Georg B.

2009

Bei Mefistofele waren wir alle in grauen Kutten gekleidet, mit Masken und aus einem sehr unangenehmen Material, unter dem es ganz schnell ganz heiß wurde, sodass man darunter nur das nötigste ziehen konnte. Bei den Vorstellungen kippten dann zwei oder dreimal Sänger von uns, aber auch von den Erwachsenen um. Wahrscheinlich durch die Scheinwerfer und auch den Nebel. Gut, dass wir mehrreihig standen, sodass wir einander auffangen konnten.

Helena L.

Wenn sich am Abend der Vorstellung der Vorhang zu Mefistofele hob, sah vor allem der Alt des Chores meist nicht viel mehr ein rotes Licht, dass auf der Seite des Inspizientenpultes zu tanzen schien. Hinter dieser mysteriösen Erscheinung verbarg sich jedoch kein Geist, sondern der Dirigent des Opernchores, der versuchte seinen Chor sicher durch die ersten paar Takte der Oper zu bringen. Denn so wirklich sehen konnte zu Beginn der Oper niemand irgendetwas, weder Sänger noch Publikum. Es war ganz dunkel und gefühlte Tonnen von Theaternebel waberten auf der Bühne. Erst Stück für Stück wurde es heller und es eröffnete sich der Blick auf einen wahren Koloss von Bühnenbild. Für mich ist und bleibt es das beeindruckendste Bühnenbild, das ich je gesehen habe: Eine riesige umgestülpte Kuppel (sollte ein Auge darstellen?) in der Mitte und an den Seiten mehrgeschossige „Käfige“ in denen wir und der Opernchor wie Statuen standen, in Kostümen in denen man so schwitzte wie bisher in noch keinem Kostüm. Da kam es nicht selten vor, dass mal jemand während der Vorstellung umkippte. Mir ist das zum Glück nie passiert. Und wenngleich auch Mefistofele die anstrengendste Oper war und von allen Beteiligten viel abverlangte, muss ich sagen, dass es auf der anderen Seite die Oper war, die mich am meisten beeindruckt hat, von all denen bei denen ich mitgemacht habe. Vielleicht auch, weil es die erste war.

Marie-Philine P.

Hänsel und Gretel war meine erste Oper, bei der ich mitmachen durfte, was war ich stolz und dann durfte ich auch noch Engel sein. Bei einer Vorstellung lag dann ein kleiner Zweig so ungünstig, dass ich mich draufgekniet habe und nun versuchte möglichst engelhaft damit klarzukommen, was mir anscheinend nicht ganz gelang, denn Bekannte, die im Publikum saßen sagten danach: „Ja und du warst wohl der kleine Wackelengel“.

Helena L.

2011

Auf meiner ersten Tournee in Asel 2011 hatten wir auch einen Gottesdienst auf Spiekeroog musikalisch zu untermalen und sind danach noch ein bisschen am Strand entlanggelaufen. Doch zog sich der Chor wie eine lange Schlange die Dünen empor, Herr Philippi an der Spitze in einem Affentempo und wir anderen Muschelsammelnd hinterher.

Helena L.

2013

In die exotische Welt Asiens konnten wir eintauchen, als im Sommer 2013 Prinzessin Turandot Abend für Abend bei den Domstufenfestspielen die Köpfe von all den Männern rollen ließ, die nicht in der Lage waren, ihre drei Rätsel zu lösen. Warum Turandot jedes Mal so kaltherzig entschied, erzählte uns die chinesische Herrscherin bei einem unserer Auftritte, bei dem wir als kleine Terrakottakrieger im Kreis um sie herumsaßen und interessiert ihrer Geschichte von der Prinzessin Lou-Ling lauschten. Der wurde nämlich vor langer Zeit großes Unrecht angetan und so hat es sich Turandot zur Aufgabe gemacht ihre Urahnin zu rächen und jeden Mann der um sie wirbt und der ihre 3 Rätsel nicht lösen kann, den Kopf abzuschlagen. Dieses grausame Ritual erfüllte sich seitdem jedes Mal, bis es schließlich Prinz Kalaf gelingt, all ihre Fragen richtig zu beantworten und so bricht das Volk, unter dem auch wir Terrakottakrieger standen, in großen Jubel aus.

Bei den Domstufenfestspielen mitzuwirken ist immer besonders, da dort die Atmosphäre noch einmal ganz anders ist als im Theater an sich: Es ist Sommer, man darf abends länger aufbleiben (eine Besonderheit wahrscheinlich nur für die jüngeren Sänger ;) ), die Solisten nehmen sich kurz Zeit um ein Autogramm zu geben oder ein Foto zu machen und überhaupt: Man darf unter freiem Himmel vor fast 2000 Zuschauern auf den Stufen die die Welt bedeuten, singen.

Marie-Philine P.

Bei der zweiten Allgäutournee 2013 machten wir eine Wanderung auf den Mittag. Zuerst ging es mit einem Sessellift hoch und dann für die einen mit richtigen Wanderschuhen zur Spitze und für die mit weniger guten Schuhen einen Rundpfad. Als wir dann kurz vor dem Gipfel standen gab es ein kleines Problem, weiter hoch ging es nämlich nur über eine 10m lange und sehr steile Leiter ohne Sicherung. Erst wurde angedacht umzukehren, doch wir protestierten natürlich und so kletterten alle ganz langsam und vorsichtig die Leiter hoch zum Gipfelkreuz. Belohnt für die Strapazen mit wunderbarem Ausblick und dem schönen Klang von Love maybe, der Eintrag ins Gipfelbuch durfte natürlich auch nicht fehlen.

Helena L.

2014

Mit Boris Godunow stand wieder einmal eine halbszenische Oper auf dem Spielplan des Theaters Erfurt. Halbszenisch bedeutet, dass das Orchester, was sich sonst in dem nach ihm benannten Graben befindet, auf der Bühne ist und die gesamte Produktion so für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung darstellt. Umso schöner war es, dass auch wir bei dieser Oper dabei sein durften und das mit gleich zwei Auftritten. Beim ersten kamen wir ausgestattet mit Heiligenbildchen aus den vorderen Seitengassen und sangen gemeinsam mit dem Opernchor. Die Herausforderung dieser Szene bestand für die meisten von uns allerdings nicht darin, auf Russisch zu singen oder den richtigen Ton zu finden, sondern nicht loszulachen, wenn der einschüchternde Polizist durch die Reihen ging und uns kritisch musterte. Was die Zuschauer nämlich nicht sehen konnten, war, dass der strenge Polizist manchmal ziemlich lustige Grimassen schnitt und so von uns große Selbstbeherrschung abverlangte. Nach diesem Auftritt hatten wir eine kurze Pause, bevor es dann auf der Bühne darum ging, einen Schwachsinnigen zu ärgern, zu schubsen und ihn durch unser Rennen und Gewusel völlig verrückt zu machen. Eine Aufgabe, die uns nicht nur viel Spaß machte, sondern auch außerordentlich gut gelang.

Marie-Philine P.